„Die Freiheit zu oder die Befreiung von der journalistischen Objektivitat“ - Deutsche und russische Medienarbeit im digitalen Zeitalter

XII. Medienforum vom 03.12. bis 05. Dezember 2015 in Murmansk

Wiki-Leaks und die Enthüllungen von Edward Snowden sind beeindruckende Beispiele: immer häufiger haben Journalisten mit riesigen Datenbergen von Regierungen, Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen zu kämpfen. Durch den direkten Bezug auf Fakten und Quellen entsteht ein besonderes Verhältnis zur Wahrheit und die Diskussion, ob und inwieweit journalistische Objektivität angestrebt werden kann, ist aktueller denn je.

Lesenswertes zum Thema

Die journalistische Notfallpraxis im Web von dem Fernsehjournalisten und Medienwissenschaftlers Prof. Dr. Hektor Haarkötter, u.a. mit einem Bericht zum Medienforum

Journalisten Training von Bernd Oswald, u.a. mit einer Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Visualisierung von Treibhausgasdaten sowie einem Bericht zum Medienforum

Die russische Online-Zeitung “Chastnyj korrespondent” unter Verwendung der Creative Commons Lizenz

Im Rahmen des Medienforums 2015 erhielten 16 Nachwuchsjournalisten aus Russland und Europa die Gelegenheit, sich über das Thema Datenjournalismus und die journalistische Objektivität in ihren Ländern auszutauschen.

In diesem Jahr fiel die Wahl des Veranstaltungsortes auf Murmansk. Die größte Stadt nördlich des Polarkreises gilt nach Moskau und St. Peterburg als die Stadt mit den meisten Internetnutzern in Russland. In den russischen Polarnächten diskutierten Teilnehmer und Referenten aus Deutschland, Russland, Frankreich und Bulgarien über die Auswirkungen der stetig wachsenden Datenmengen auf die journalistische Arbeit sowie über die Frage nach objektiven Standards im Journalismus.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von Sebastian Nitzsche, dem stellvertretenden Geschäftsführer des Deutsch-Russischen Forums e.V., mit einer Begrüßungsrede und einer kurzen Einführung in die Projekte des Deutsch-Russischen Forums. Im Anschluss daran begrüßte Robert Rohde, der Leiter des Pressereferats der Deutschen Botschaft Moskau, und Dmitri Ischenko, der Amtsleiter für Informationspolitik und Medienzusammenarbeit der Gebietsregierung Murmansk, die Teilnehmer des Medienforums. Im Nachhinein fand ein Presse-Frühstück mit Aleksej Michajlovic Tjukavin, dem ersten stellvertretenden Gouverneur der Region Murmansk.

Das weitere Programm des Medienforums bot den Nachwuchsjournalisten eine abwechslungsreiche Mischung aus Vorträgen, Runden Tischen, Workshops und Exkursionen. Bereits im Vorfeld der Konferenz fand eine Stadtrundführung durch Murmansk und eine Exkursion auf dem Atomeisbrecher „Lenin“ statt.

Der erste Tag gab bereits einen sehr umfangreichen Einblick in das Thema des Medienforums. Prof. Dr. Hektor Haarkötter (Journalist und Professor an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln) berichtete über Journalismus im digitalen Wandel, Berufsverständnis, Storytelling und neue medienethische Standards. Die Anwendung neuer Methoden in den russischen Online-Medien war Thema des Vortrags von Nikita Petuchov (Chefredakteur von „Journalist-Online“) während Anna-Lena Meinheit (freie Journalistin und Dozentin an der MHKW) die Teilnehmer über den Umgang crossmedialer Reportagemöglichkeiten informierte. Ivan Sasurskii (Leiter des Lehrstuhls für neue Medien und Kommunikationstheorien der journalistischen Fakultät der Moskauer Lomonossov Universität) sprach anschließend über die Transformation der russischen Medienlandschaft und des Urheberrechts und die öffentliche Podiumsdiskussion zum Thema „Chancen und Herausforderungen des Datenjournalismus im digitalen Zeitalter“ bildete den Abschluss dieses informationsreichen Tages.

Am zweiten Tag des Forums konnten sich die Teilnehmer ein Bild von der Murmansker Medienlandschaft machen. Die Mitarbeiter der Zeitung „Murmanskij Vestnik“, des Internetportals „Bi-Port“, des staatlichen sowie privaten Fernsehsenders „GTRK Murman“ und „TV-21“ führten die Journalisten durch ihre Räumlichkeiten. berichteten über ihre Arbeit und beantworteten Fragen der Besucher. Im Anschluss daran wurden die Redaktionsbesuche bei einem Runden Tisch zum Thema „Lokale Redaktionen und global Probleme im Journalismus“ ausgewertet, an dem auch Vertreter der besuchten Redaktionen teilnahmen.

Während des Workshops von Bernd Oswald hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, sich aktiv mit den vier Stufen des Datenjournalismus – Recherchieren, Strukturieren, Analysieren und Veröffentlichen – auseinanderzusetzen und diese anzuwenden. Bei einem weiteren Runden Tisch am dritten Tag bot sich die Gelegenheit, über die Auswirkungen des Datenjournalismus und des Internets auf das Objektivitätsverständnis der Journalisten und Leser zu diskutieren. Der Abschlussvortrag von Elisaveta Maetnaya zu den neuen Methoden des investigativen Journalismus und dem Umgang mit Quellen rundeten das Thema ab. Abschließend konnten die Teilnehmer die Lebensweise und Kultur der Samen, einer ethnischen Minderheit auf der Kola-Halbinsel, hautnah erleben.

Das Medienforum 2015 wurde vom Auswärtigen Amt und der Regierung der Region Murmansk unterstützt.